Was ist die letzten Jahre passiert, wie kam es dazu das die Falcons heute, hier beim VfB Ulm, so gut dastehen? Wer steckt dahinter. Ein persönlicher Bericht über Kommunalpolitik, Stadträte, Vorbilder und vieles mehr!

Den gesamten Bericht und noch vieles mehr findet ihr im neuen Abteilungsheft, online zu lesen bei Calameo oder in Papierform bei den Falcons.

Viel Spaß damit und Frohe Weihnachten wünscht der Falcons Vorstand!

Ein Zeitungsartikel in der Lokalpresse im Sommer 2000 berichtete über den Umzug der Falcons von Dornstadt nach Neu-Ulm und die Restaurierung eines der Baseballfelder, die von den US-amerkanischen Besatzungstruppen hinterlassen wurden.

CIMG3721Für einen 16-jaehrigen Ulmer ohne Auto existierte Dornstadt quasi nicht auf der (ohnehin kleinen) geistigen Landkarte. Der Umzug brachte die Falcons aber auf die „große Bühne“ und für mich in Fahrrad-Reichweite. Wenige Tage nach dem Zeitungsbericht stand ich auf dem Feld auf dem Neu-Ulmer Wiley-Gelaende und absolvierte meine erste Trainingseinheit.

Acht Jahre lang war Baseball untrennbar mit meinem Leben verbunden. Ich spielte bis zu vier Spiele an einem Wochenende und stand noch als Umpire hinter der Platte beim Softball. Der Kofferraum meines Fiat Uno war mein Umkleiderraum und der erste Aufstieg in die 2. Bundesliga machte mich zu einem Holzfetischisten. Nach einem Sportunfall, der mich sechs Monate an die Spielerbank kettete, begleitete ich das Team zu allen Auswaertsspielen, solange es einen freien Platz im Auto gab. Als mein Bruder heiratete war ich unglücklich, weil ich ein Spiel verpasste. Kurzum, Baseball war ein fester Bestandteil von mir. Auch hinter der Bühne machte ich bei allem mit, was die Falcons auf die Beine stellten. Später machte ich auch die Trainerlizenz und wurde Coach einer Schülermannschaft. Kurzum, die Falcons hatten einen festen und prominenten Platz in meinem Leben, eigentlich in meinem Herzen, gewonnen.
Ende 2008 ging ich nach Schottland. Was ursprünglich nur zwei Auslandssemester sein sollten, artete unerwartet zu einer Promotion aus. Auch nach inzwischen sechs Jahren Abstinenz ist eine Wiederkehr nicht in Sicht. Obwohl Studien- und Billigfluglinien-bedingte Aufenthalte zu Beginn teilweise die Teilnahme an zwei Saisons und sogar eine Position als Assistenztrainer der Damenmannschaft ermöglichten, wurde die Kluft zu den Falcons immer größer. Die Verbindung aber reisste nicht vollends ab, allein schon weil ich als Webmaster der Falcons-Webseite weiter hinter den Kulissen beteiligt bin bzw. die Finger nicht davon lassen kann.

birthday grillen - am grillDie Distanz zu Ulm offenbarte mir aber ein Missverständnis in meiner Selbstauffassung hinsichtlich meiner Liebe zum Baseballsport. Natürlich macht es riesig Spaß den Ball stupide hin- und herzuwerfen, bis dass der Schmerz einen davon trennte. Doch in der schottischen Ferne realisierte ich, dass es einen riesen Unterschied machte, ob ich nun auf dem Wiley-Gelände in Neu-Ulm stand oder im Warriston Park in Edinburgh. Mir wurde bewusst, etwas fehlte. Heute ist es kristallklar, es ist nicht der Baseballsport, der mich in Neu-Ulm verzauberte, es waren die Falcons. Die Falcons für mich waren Georg, Silvio, Benny, Sigi, Daniel, Marc, Heike, Gert, Angie, Gina, Stefan, Tihi, Willy, Dimi, Jacky und so viele andere Namen, fuer die ich mehr Platz bräuchte, als der Text zulässt. Die Falcons waren aber auch der zweistöckige Scorer-Turm, ein Wunderwerk falconscher Improvisationskunst mit Bader’ischem Einfluss. Die Falcons sind für mich eine mit Leben vollgepackte Infrastruktur bestehend aus einzigartigen Menschen, die durch einzigartige Umständen zusammengeschweisst wurden. Ein rundes Leder und einen Holzschläger findet man an zahlreichen Ecken dieser Welt. Einen Georg Oberst oder Silvio Bader findet man aber nur in einem Dugout in Ulm. Fußballer sind privilegierte Subjekte. Eine mögliche Definition von Privileg ist die Ausübung von Ignoranz hinsichtlich der eigenen Umwelt. Fußballfelder gibt es zuhauf und Fördergelder en masse im Vergleich zu Randsportarten dank der gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz und Anerkennung der Sportart im Land der Fußballweltmeister 2014. Es ist fast schon egal in welchem Dorf man lebt, in der Nähe gibt es mindestens einen Fußballverein mit Feld und gut ausgestatteter Infrastruktur. Es kommt einem Fußballer nicht mal in den Sinn, dass es eventuell keine Möglichkeit gäbe, ein ebenes Feld mit zwei Toren zu finden in einem Dorf mit vierstelliger Einwohnerzahl. Bei einem Randsport wie Baseball sieht es auch heute vergleichbar düster aus. Kein Wunder auch, dass Baseball vielerorts auf Fußballfeldern groß geworden ist. Das Baseballfeld in Neu-Ulm war eine einzigartige Gelegenheit, denn man konnte, nach vielen Wochenende der fleissigen Arbeit, sich das Erbe der US-amerikanischen Besatzungmacht zu Eigen machen.

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